KOLAMS von M. Gandhimati

vorgestellt von
Ulrike Niklas
(Illustrationen: © M. Gandhimati & U. Niklas, 1998)
Kolam
Tamilische Kolams - im Unterschied etwa zu den nordindischen, "Rangoli" genanntenVarianten - sind monochrom (weisses Puder auf dunklem Grund) und bestehen aus linien, die in einem zuvor angelegten Punktesystem angeordnet werden. Im Idealfall besteht ein Kolam aus einer einzigen, ununterbrochenen Linie. Klassifiziert werden diese Zeichnungen nach der Anzahl der Punkte (Vertikal x Horizontal). Die einfachsten und kleinsten Kolams umfassen lediglich 3x3 Punkte, waehrend grosse und komplizierte Zeichnungen fuer festliche Anlässe bis zu mehreren hundert Punkte in beide Richtungen zählen können.
Ursprünglich wurden Kolams aus Reispuder angefertigt. Sie erfüllten dabei nicht nur dekorative, sondern auch religiöse Zwecke, indem sie zur Speisung der kleinsten Lebewesen (Ameisen etc.) beitrugen un somit eine Art Opfer oder Votivgabe darstellten. Heutzutage werden Kolams meistens aus gemahlenemKalksteinpuder hergestellt. Dennoch haben sie ihre religiöse Bedeutung nicht ganz verloren, weil diese Zeichnungen auch angesehen werden als Einladungen and die Göttin Lakshmi (Göttin des Reichtums und Wohlstands), die man so zu veranlassen sucht, das Haus zu betreten und darin zu verweilen.
Kolam erfüllt zudem eine soziale Funktion: in Häusern, in denen heiratsfähige Töchter wohnen, werden in einem bestimmten Monat (Tamil: Markali; Dezember-Januar) die Kolams mit Kürbisblüten dekoriert, um so mögliche Ehepartner und deren Familien aufmerksam zu machen.
Kolam ist eine exklusiv feminine Kunstform. Indische Frauen und Mädchen stehen kurz vor Sonnenaufgang auf, nehmen ein Bad und reinigen die Schwelle des Hauses, welche sie mit einem Kolam dekorieren. Idealerweise sollte das Kolam fertiggestellt sein, bevor die Sonne aufgeht. - In zahlreichen Häusern wrd dieser Reinigungs- und Dekorationsvorgang am späten Nachmittag noch einmal wiederholt.
M. Gandhimati
M. Gandhimati aus Madurai gehört der Töpferkaste an. Da die Töpfer im Tamilnadu zugleich oft auch Betreiber und Besitzer der Tempel des Schutzgottes Aiyanar sind, und sie die Tempel und deren Figuren selbst instandhalten und ausschmücken, ist nicht nur eine handwerkliche, sondern auch eine künstlerische Begabung in dieser Gemeinschaft zur Tradition geworden.
Alle Personen in Gandhimatis Familie (i.e. ihr Ehemann und ihre vier Kinder)
sind in künstlerischen Berufen tätig (Kunstlehrer an Schulen, Photographen, freie Künstler).
Gandhimati selbst hat ihre persönliche
Ausdrucksform im Kolam gefunden. In ihrer freien Zeit füllt sie Skizzenbücher mit neuen Entwürfen. Einige dieser Skizzen wollen wir im folgenden vorstellen. Bewußt haben wir nicht versucht, die ursprünglichen Zeichnungen mit technischen Mitteln zu bearbeiten: wir wollten die Originale
so vorstellen, wie sie entstanden sind, als direkte und uneingeschränkte Ausdrucksformen einer kreativen Persönlichkeit.

KOLAM 1: Ein geometrisches Muster über einem Raster von 14x14 Punkten (Höhe x Breite).

KOLAM 2: Ein geometrisches Muster, welches jedoch der Gegenständlichkeit schon nahe kommt: die Form erinnert an die Grundform eines Tempelwagens. — 16 x 13 Punkte.

KOLAM 3 : Ein geometrisches Muster über 14 x 14 Punkte.

KOLAM 4 : Pyramidenförmiges geoetrisches Muster über 15 x 8 Punkte.

KOLAM 5: Geometrisches Muster über 11 x 13 Punkte.

KOLAM 6 : Ein Kolam zwischen Geometrie und Gegenständlichkeit: Andeutung einer Lampenform. - 13 x 16 Punkte.

KOLAM 7 : Gegenständliches Kolam: Darstellung eines Schivalinga. - 24 x 17 Punkte.

KOLAM 8 : Quadrat über 15 x 15 Punkte.
KOLAM 9 : Kolam zwischen Geometrie und Gegenständlichkeit: Andeutung einer Lampenform. - 12 x 15 Punkte.

KOLAM 10 : Geometrisches Kolam, dem das in dieser Kunst häufig benutzte Glückssymbol der "Swastika" zugrunde liegt. - 16 x 16 Punkte.

KOLAM 11 : Geometrisches Kolam über 14 x 14 Punkte.

KOLAM 12 :Wie schon das Kolam Nr. 2 erinnert
auch dieses an die Grundform eines Tempelwagens. - 17 x 11 Punkte.
© KOLAM, 1998. - This article was uploaded in January 1998. Last updated on 18 June 2005.
Recommended style of citation:
Niklas, Ulrike, 1998. "'Kolams von M. Gandhimati". KOLAM 1 <http://www.fas.nus.edu.sg/journal/ kolam/index.htm> (date of your download)